Städtebaulicher Realisierungswettbewerb "Luisenblock Ost" Berlin Mitte


| Ort | Berlin |
|---|---|
| Fläche | ca. 83.000 m2 GF |
| Auslober | Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) und Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen |
| Landschaft | graber huber lipp Landschaftsarchitekten |
| Datum | 2026 |
| Auszeichnung | Anerkennung |
| Mitarbeit | Peter Scheller, Thomas Godau, Tom Ketter |
ORT
Der Ort ist besonders. Inmitten der Stadt, am nördlichen Ufer der Spree, umgeben von Regierungsgebäuden, Bahngleisen und dem Bahnhof Friedrichstraße, bildet er das vormals östliche Ende des „Band des Bundes“. Die Aufgabe erklärt mit der Errichtung des westlich benachbarten Bauwerks, die Geste für vollendet. Die bildhafte Klammer über die Spree zur Gestaltung des Berliner Regierungsviertel und als Symbol der deutschen Wiedervereinigung endete hier. Diese große bauliche Geste des Verbindens beider ehemals getrennten Stadthälften und die sich daraus ergebenden stadträumlichen Konsequenzen, lassen sich anhand der großmaßstäblichen Gebäude des deutschen Bundestags unmittelbar erfahren.
Zur Spree gewandt, unmittelbar an der Marshallbrücke, bietet das Konglomerat aus Bestandsgebäuden und dem öffentlich wirksamen Neubau – das zum Entwurfsgebiet hin auf die Struktur der historischen Werftanlagen reagiert – eine städteräumliche Situation mit dem Potenzial das Gefüge der Stadt hier angemessen zu ergänzen. Dabei bieten sowohl das historische Heizkraftwerk als auch die Maschinenhalle einen öffentlichen Ankerpunkt an der Spree. Als Teil der historisch produktiven Normalstadt, dem Schiffbau gewidmet, trägt der Perimeter eine spezifische Ausrichtung der Parzellen in sich.
Nördlich des Entwurfsgebietes kreuzen die Bahngleise in Hochlage die Stadt und bilden eine starke räumliche Grenze. Ihre trennende Wirkung in Verbindung mit erhöhten Lärmeinflüssen sowie die gleichzeitigen stadträumlichen Potenziale der wieder geöffneten Bahnbögen, und der fast pittoresk anmutenden südlichen Orientierung hin zum Wasser, verdeutlichen die starke Polarität des Grundstücks.Dieser Idee eines polarisierten Gefüges der Normalstadt aus Verwaltung, Wohnen und Politik sowie der Gestaltung entsprechender, spezifischer Stadträume und besonderer Atmosphären fühlt sich der Entwurf verpflichtet.
ENTWURFSKONZEPT
Die Feststellung, dass das „Band des Bundes“, also jene große demokratisch-politische Geste, die in städtischen Raum übersetzt wird, mit dem von Kempe Thill gestalteten Gefüge an der Spree zu Ende geführt ist, ergibt für den vorliegenden Entwurf die Freiheit für die Frage nach der eigenen Bedeutung im Stadtraum. Die Chance dieser Erkenntnis liegt in der Freiheit, die sich für die Setzung der besonderen Nutzung des Bauwerks, eines weiteren Ausschusssitzungssaals, also eines kleinen Plenums unserer Demokratie, eröffnet.
Der Entwurf beschreibt entlang der Spree ein Prospekt der Normalstadt Berlins. Die verbindliche ruhige Traufe, die Lesbarkeit der Hausparzellen des Wohnens. Zum neuen westlichen Repräsentationsbau hin mündet die Bebauung in den öffentlich bespielten Vorplatz des Kraftwerks und gibt den Blick auf diese besondere Situation am Fluss frei. Die stadträumliche Besonderheit des Entwurfs liegt in der Setzung des öffentlich wirksamen Hauses, im Norden des Quartiers. Als Adresse vis-à-vis der geöffneten Bahnbögen, wird die Atmosphäre an diesem neuen Platz mitgestaltet. Ein Platz der Normalstadt und eine selbstverständliche Ergänzung zum spreezugewandten Platz am Kraftwerk. So zeigt sich der Platz den Bahnreisenden und bildet gleichzeitig den Auftakt einer Passage, die südlich am Spreeufer mündet und mit einem neuen Steg zur Friedrichstadt hinüberführt.

